2016 -2017

Eberbacher Künstler des 20. Jahrhunderts

Werke aus den Beständen des Eberbacher Museums

In der Sommerzeit sollen die in den früheren Jahren im Alten Ratssaal ausgestellten Gemälde von Eberbacher Künstlern aus dem Museumsbestand wieder präsentiert werden. Der größte Teil stammt von den beiden Eberbacher Malern Rudolf Epp und August Rumm, mehrere Bilder sind Werke von Richard Hemberger und Heiner Knaub.

 (Selbstporträt August Rumm)

Unter den Bildern sind eine ganze Reihe von Porträts sowie Ansichten von Eberbach und Umgebung, insbesondere vom Neckartal und den Neckarschiffen, aber auch von anderen Orten. Ergänzend dazu sind weitere Bilder des Museumsbestands aus dem Magazin hervorgeholt worden. Der Bogen spannt sich vom Ende des 19. bis an den Beginn des 21. Jahrhunderts. Für Hinweise zur Identität der dargestellten Persönlichkeiten ist das Museumsteam dankbar. Diese werden von den  Aufsichten gern entgegen genommen.

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(Zerstörte Brücke Eberbach)

Die vor dem Ratssaal im Treppenhaus hängenden Bilder derselben und einer Reihe weiterer Maler ergänzen das Spektrum der Eberbacher Künstler.

(Rudolf Epp "Mädchen")

In der Etage darunter sind alle Bilder von Hanna Breidinger-Spohr, die sich im Museumsbestand befinden, ausgestellt. Mitten in der Ausstellung werden aber auch Arbeiten des Holzkünstlers Franz Musiol stehen.

Im Rahmen dieser Ausstellung wird auch ein neu gestiftetes Blumen-Gemälde von Richard Hemberger ausgestellt, für das schon Platz gelassen ist. Es soll am Donnerstagnachmittag voraussichtlich um 17 Uhr im Museum überreicht werden.

Im Herbst wird sich der alte Ratssaal dann in einen „Kaisersaal“ verwandeln durch eine neue Sonderausstellung römischer Kaiserporträts aus Antike und Neuzeit, die zur Zeit von Heidelberger Studenten vorbereitet wird. Für das Frühjahr danach ist eine Werkausstellung des Eberbacher Künstlers Manfred Garstka geplant.

2015 -2016

Automodelle – Modellautos

In diesem Winter wird wieder am Freitag vor dem 1. Advent, also am 27. November, um 16 Uhr eine Sonderausstellung im Museum der Stadt Eberbach von Bürgermeister Reichert eröffnet, diesmal mit dem Thema  „Automodelle – Modellautos“, wozu alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Im Eberbacher Museum hat es schon mehrere Ausstellungen gegeben, in denen Modelle eine Rolle spielten. Zur Eröffnung wird einer der Modellbauer über sein Hobby sprechen. Umrahmt wird die Eröffnung von Fabian Freund aus Mosbach mit zeitgenössischer Musik auf der Trompete.  

In diesem Jahr geht es also um Modelle von Automobilen. Schon fast gleich seit der Erfindung des Autos vor 130 Jahren sind Modellautos als Spielzeug beliebt gewesen und passen daher gut als Thema einer Ausstellung in der Weihnachtszeit.

Nicht nur das Spielen mit Modellautos, sondern auch ihre Herstellung, meist nach vorgefertigten Bauteilen, ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die auch noch von  Erwachsenen gern betrieben wird.

In unserer neuen Ausstellung vereinigen drei Modellbauer ihre Werke zu einer sich ergänzenden Schau von Automobilen des 20. Jahrhunderts, wobei die Mehrzahl der Modelle sich auf solche der zweiten Jahrhunderthälfte bezieht. 

So werden vor allem amerikanische und deutsche Wagen sowie Dioramen mit Szenen aus der Automobilwelt zu sehen sein. Zum Programm gehören in erster Linie Modelle ziviler Fahrzeuge, vor allem Autos und Motorräder, aber auch Flugzeuge. 

Die Mehrzahl der Modelle ist nach Original-Unterlagen der Hersteller angefertigt; für die meisten Modelle gibt es solche in Büchern, Fachzeitschriften oder im Internet, denn man versucht natürlich, die Modelle so nahe wie möglich am Original zu bauen.

Michael Flum aus Immendingen, der ausschließlich amerikanische Autos baut, hat seine Arbeiten sogar schon auf Ausstellungen in Amerika gezeigt. Eine Fernsehsendung über seine Projekte war der Auslöser für die Idee zu unserer Ausstellung. 

Besonders attraktiv sind auch die dreidimensionalen Szenen in den Dioramen von kleinen Werkstätten von Herrn Dietl aus Mannheim. Die Mitglieder der Modellbaugruppe „MBL - Modellbau Lambsheim“, die sich 1996 gebildet hat, sind inzwischen gefragte Modellbauer, die ihre Arbeiten schon in vielen Städten ausgestellt haben. Sie treffen sich auf Ausstellungen und Messen, um Neuigkeiten und Termine auszutauschen und ihre Modelle zu präsentieren. Sie veranstalten sogar Modellbauaktionen, um ihr Hobby Kindern näher zu bringen, und einer von ihnen, Herr Storck, leitet auch eine schulische Modellbau-AG. Im Rahmen unserer Ausstellung werden die Modellbauer daher auch einen Modellbauworkshop für Kinder und Erwachsene anbieten; der genauere Termin wird noch bekannt gegeben.

 

Im Lichte Griechenlands

Unbekannte Meisterwerke des Heidelberger Photographen Hermann Wagner (1895-1976)

Eine Ausstellung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg im Museum der Stadt Eberbach vom 9. Mai bis zum 8. November 2015



Die Ausstellung zeigt eine Auswahl eindrucksvoller Schwarzweiß-Photographien der 20er bis 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Motiven aus Griechenlands: Landschaften, Meeresbuchten, antike Tempelruinen und griechische Skulpturen. Aufgenommen hat sie der Heidelberger Hermann Wagner, ein Fotograf ersten Ranges mit einem breit gefächerten Oeuvre, der sich - im 1. Weltkrieg zum Fliegerfotografen ausgebildet - auf technische und dann auf archäologische Aufnahmen konzentrierte. Seit 1927 arbeitete er als freier Photograph in Athen, vor allem für die amerikanischen Ausgrabungen in Korinth und Athen und für das Deutsche Archäologische Institut in Athen. So kam er in die verschiedensten Gegenden Griechenlands, von Olympia bis Samos, von Knossos bis zu den Meteoraklöstern, und photographierte dabei nicht nur die Grabungen, sondern auch Land und Leute. Für die Klassische Archäologie in Griechenland hatte Wagner eine ähnliche Bedeutung wie der bekanntere Walter Hege. Seit 1946 war Wagner dann am Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg. Neben den üblichen Photoarbeiten für den Betrieb des Instituts, steuerte er weiterhin Bilder zu archäologischen Zeitschriftenartikel und zu verschiedenen Publikationen bei, lieferte aber auch die Aufnahmen zu ganzen Museumskatalogen und anderen Büchern (z.B. A. Blanco, Catalogo de la escultura, Museo del Prado, Madrid 1957, Corpus Vasorum Antiquorum, Heidelberg 1 und 2). Daneben arbeitete er weiter an seinen Landschaftsaufnahmen von Griechenland, woraus u.a. ein  von W. Kraiker eingeleitetes Buch war.

Im Heidelberger Institut wird heute sein Nachlass aufbewahrt, der mehrere Tausend von Glasplatten- und Zelluloid-Negativen umfasst, mit dem Schwerpunkt Griechenland. Eine Gruppe von Studierenden des Instituts für Klassische Archäologie unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Stupperich hat die Ausstellung erarbeitet.

So wird das breite Spektrum beeindruckender Schwarz-Weiß-Fotomotive, topografisch und thematisch gruppiert, in die Dauerausstellung der Abgüsse integriert. Zugleich entsteht eine Wechselwirkung zwischen zwei- und dreidimensionalen Exponaten, die dem Besucher einen außergewöhnlichen Blick auf die Kunst der Fotografie erlaubt. Das Besondere ist dabei die Wahl der Motive. Denn der Schwerpunkt soll gerade nicht auf archäologischen Elementen liegen, sondern vielmehr auf Landschaftsbildern, Alltagsszenen oder sogar Szenen aus der Tierwelt.

Eine Besonderheit waren Wagners Freilichtaufnahmen von Skulpturen auf der Athener Akropolis. In Anknüpfung daran sollen die Photographien im Zusammenspiel mit Abformungen antiker Skulpturen in der Abguss-Sammlung gezeigt werden.

In der Ausstellung werden auch Informationen zur Person des Künstlers geben, die mit zeitgenössischen Dokumenten, Gegenständen und Geräten untermalt werden.

Wagners schwarz-weiße Fotografien fingen auf besondere Weise das damals gern apostrophierte ‚griechische Licht‘ ein, das die griechischen Bauten und Landschaften in den Augen damaliger Besucher beleuchtete, wie in den Reiseberichten immer wieder angesprochen wird. Obwohl Wagner sich als technischer Fotograf bewusst bemühte, realistische und klare Aufnahmen zu erstellen, vermitteln sie doch auch Atmosphärisches vom Griechenland der Zeit und können so auch etwas von der idealistischen Stimmung der Griechenlandreisen im früheren 20. Jahrhundert herüberbringen. Um das zu verdeutlichen, wurden einige ausgewählte Zitate aus unterschiedlichen Reiseberichten der Zeit zu den Photographien der jeweiligen Orte gestellt. Etwas von den idealistischen Vorstellungen der Menschen dieser Zeit von Griechenland. Die Ausstellung soll zeigen, wie die Fotografien solchen Ideen eine visuelle Form gaben, zugleich aber auch Wagners herausragendes fotografisches Geschick verdeutlichen, in dem auch seine Begeisterung für Griechenland zum Ausdruck kommt.

Eines von Hermann Wagners vielseitigen Interessen bestand in der Beschäftigung mit der Natur. Besonders Blumen und Pflanzen waren Teil seines Lebens, wie sich auch in etlichen seiner Photographien zeigt. Hierin wurde er sicherlich von seinem Vater, Eduard Wagner, geprägt, einem ausgewiesenen Kakteenkenner, der aufgrund seiner Verdienste zeitlebens freien Eintritt in der Stuttgarter Wilhelma hatte.Sogar ein Buch über die Pflanzen Attikas war von ihm wohl geplant.

Vita Hermann Wagner

Vor dem 1. Weltkrieg

Hermann M. Wagner wurde 26.2.1895 in Stuttgart als Sohn des aus Dresden stammenden Tischlers Eduard Wagner geboren. Hier besuchte er von 1901 bis 1909 die Oberrealschule, die er mit der Einjährigenprüfung abschloss. Statt seinem Berufswunsch Fotograf zu folgen begann er anschließend aber zuerst eine Ausbildung als Feinmechaniker und arbeitete nach der Gesellenprüfung bei Daimler-Motorenwerke.

Im 1. Weltkrieg 

Zu Beginn des 1. Weltkrieges besuchte Herman Wagner die Maschinenbauschule in Esslingen. 1915 wurde er als Soldat eingezogen und wurde als Feinmechanker zuerst Maschinengewehrschütze, später Pilot und Flugzeugführer. Bis 1917 machte er eine Ausbildung als Fliegerphotograph. 1917 stürzte er mit dem Flugzeug ab und zog sich dabei einen nicht korrekt verheilten Beinbruch zu. Direkt nach dem Krieg arbeitete er als Pilot für die Waffenstillstandskommission und für die Deutsche Post.

Danach beendet Herman Wagner die Ausbildung zum Photographen und begann, als selbständiger Photograph Aufträge zu übernehmen. 1924 bis 1927 arbeitete er als Photolaborant und Sportphotograph im Schweizer Bergkurort und aufstrebenden Wintersportparadies Arosa. Hier lernt er seine zukünftige Frau Margeritha, eine gelernte Blumenbinderin, kennen.

Als Wagner 1927 eine Stellung als freier Mitarbeiter am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) bekam, heirateten sie und zogen nach Athen, wo 1934 ihre Tochter Gertrud geboren wurde. Hier konnten sie sich auch ein eigenes Haus anschaffen. Hermann Wagner arbeitete in Griechenland als freier Photograph für wissenschaftliche Aufnahmen und war in den folgenden Jahren sowohl für die Amerikanische Archäologische Schule als auch das Deutsche Archäologische Institut in Athen in ganz Griechenland unterwegs. Dabei übernahm er die archäologischen Aufnahmen u.a. bei den Grabungen in Korinth, Olympia, Samos, Delos, in Athen auf der Agora, im Kerameikos und auf der Akropolis, aber auch für zahlreiche andere Projekte, die ihn in ganz Griechenland herumkommen ließen. Im DAI konnte er das Photolabor des Instituts benutzen, in dessen Beständen heute noch über 10.000 Negative von Hermann Wagner vorhanden sind. Während dieser Zeit wurden auch mehrere Fotobände  zur Archäologie und zu Botanik Griechenlands geplant. Im Akropolisbuch von W.-H. Schuchhardt und E. Langlotz, in dem die meisten Bilder von Wagner stammen, erschienen einige seiner bekannten Freilichtaufnahmen von Skulpturen auf der Akropolis. (z. B. Langlotz – Schuchardt, Archaische Plastik auf der Akropolis, Frankfurt 1941)

2. Weltkrieg

Im 2. Weltkrieg wurde die archäologische Arbeit 1941 durch die deutsche Invasion Griechenlands weitgehend blockiert, Wagners mußten Griechenland auf abenteuerlicher Weise mit einer Lokomotive verlassen. Am Ende wurde Herman Wagner trotz seines Alters noch einmal zum Kriegsdienst eingezogen, vermutlich als Dolmetscher.

Direkt nach dem Krieg arbeitete Hermann Wagner zuerst als Bauhilfsarbeiter in seiner Heimatstadt Stuttgart. Auf Hinweis von Ernst Langlotz stellte Reinhard Herbig ihn 1946 als Nachfolger von Anton Heppler als technischen Assistenten und Hausmeister am Archäologischen Institut der Universität Heidelberg ein. Bald konnte er aber ausschließlich die Aufgaben als Photograph bis zu seiner Pensionierung 1962 übernehmen und fertigte Bilder für zahlreiche Publikationen an. In den 50er Jahren konnte er seine Negative und Materialien aus Griechenland holen, die er später dem Institut überließ. 1955 erschien sein lange geplanter Bildband über Griechenland mit einer Einführung von W. Kraiker. Nebenbei arbeitete er auch als Dolmetscher für Neugriechisch am Gericht. Am 20.10.1976 starb Hermann M. Wagner in Heidelberg.

Plattenfotografie:

Hermann Wagner benutzte sowohl Fotoplatten als auch Rollfilme. Bei der Fotografie mit Fotoplatten wurde zuerst eine mit lichtempfindlichen Substanzen, in erster Linie mit Silbersalzen, beschichtete Platte entweder im Dunkeln oder in der Dunkelkammer in den Apparat eingesetzt. Üblich war jedoch, die Platte in eine durch einen Schieber verschließbare Metall- oder Holzkassette mit beschichteter Fläche zur Verschlussplatte der Kassette einzulegen. Dann oder kurz vor dem Fotografieren des gewünschten Objektes setzte man die Kassette in den Apparat ein. Nachdem der Fotograf ein Motiv ausgewählt, die Entfernung, Belichtungszeit und Blende eingestellt hatte, zog er den Kassettenschieber heraus, so dass durch Öffnen des Verschlusses der Linse die Fotoplatte belichtet werden konnte. Der Schieber der Kassette wurde dann wieder geschlossen und die Kassette konnte ausgewechselt werden. In der Dunkelkammer wurde nun die belichtete Fotoplatte bei rotem Licht in eine Schale mit Entwicklungsflüssigkeit zum Bild entwickelt. Danach wurde die Platte im Fixierbad von nichtgeschwärzten Bromsilberteilen befreit, anschließend gewässert und getrocknet. Von der nun fertigen bearbeiteten Platte, dem Negativ, konnten nun in beliebiger Zahl Abzüge auf Paper gemacht werden. Dazu wurde ein lichtempfindliches Papier bei gedämpftem Licht mit der beschichteten Seite auf die beschichtete Seite des Negatives gelegt. Mit Hilfe eines Kopierrahmens wurde das Papier an das Negativ gepresst. Das Ganze setzte man nun dem Tageslicht aus. Das Papier schwärzte sich nur an den durchsichtigen Stellen des Negativs und brachte so das Abbild des Negativs, das sogenannte Positiv (Foto), zutage. Anschließend wurde das Positiv fixiert und getönt um es lichtbeständig zu machen.

In gleicher Weise wurden auch die Filme in der Dunkelkammer entwickelt, entweder indem man den Film zerschnitt oder als Ganzes entwickelte. Der entwickelte Film wurde anschließend gewaschen, dann in einem Fixierbad fixiert und zum Schluss mindestens zwei Stunden gewässert.


28. November 2014 bis 01.Mai 2015

Oskar W. Rug

Ausstellung unter dem Motto NATUR PUR im Museum der Stadt Eberbach

Am 28. November 2014 fällt im Museum der Stadt Eberbach der Startschuss für die nächste Sonderausstellung. Unter dem Motto NATUR PUR widmet der Beerfelder Maler und Konzeptkünstler Oskar W. Rug den zahlreichen Facetten der Natur einen eigenen Ausstellungszyklus. Dabei wird der Künstler, bereits seit Jahren eine feste Größe im Kulturbetrieb der Region und inzwischen auch auf internationalem Parkett aktiv, Arbeiten in einer Reihe unterschiedlicher Techniken zeigen: Neben der Mischkunst aus Collage und Übermalung, die aufgrund ihrer assoziativen Kraft zum Markenzeichen der Rug’schen Kunst avanciert ist, werden etwa Aquarelle, Ölmalerei und  Kohlezeichnungen zu sehen sein. 

Ein weiterer Schwerpunkt wird aber auch auf den Objektinstallationen liegen, eine von Rug immer häufiger als Ausdrucksform seines künstlerischen Schaffens gewählte Technik. So unterschiedlich wie die verwendeten Medien werden auch die Themen sein, die Oskar W. Rug zum Gegenstand seiner Kunstwerke macht. NATUR PUR mag spontan blühende Odenwaldlandschaften vermuten lassen. Doch weit gefehlt: Den Ausstellungsbesucher erwartet eine ganz bunte Palette an Natur-Motiven in vielfältigen Kontexten. Der gemeinsame Nenner sind die vielen Reisen, die dem bekennenden Globetrotter als Hauptinspirationsquelle seines Schaffens dienen und mal explizit, mal implizit in seinen Arbeiten Ausdruck finden. Auf den Punkt gebracht: Zu sehen ist ein gelungener Mix aus abwechslungsreicher Kunst mit hohem Entertainment-Faktor, interaktivem Anspruch und Denkanstoßpotenzial, bezogen auf eine uns allen bestens vertraute Thematik von vitaler Relevanz.

 

DIE ECKDATEN

Oskar W. Rug präsentiert: NATUR PUR

www.artisrug.de

 

2013 -2014

Zünfte der Eberbacher Handwerker

24.Mai 2014 bis 26.Oktober 2014 

 

Die ältesten bisher bekannten Nachweise -außer über die Schifferzunft - finden sich im Zunftbuch der Schuhmacher: eine bereits seit 1468 bestehende Zunftordnung mit Zunftartikeln wurde 1595 durch den Churfürstlich-Pfälzischen Oberamtmann zu Mosbach, Landschad von Steinach, geändert und neu bestätigt. 

Am 16. August 1731, elf Jahre bevor Carl Theodor die Regierung der Kurpfalz übernahm, wurde in Wien der „Reichs-Schluss (= Reichsgesetz) wegen Abstellung der Unordnungen und Missbräuche bey den Handwerkern“ beschlossen - ein Gesetz, welches der „Abstellung deren bey denen Handwerkern insgesamt so wohl, als absonderlich mit denen Handwerks-Knechten, Söhnen, Gesellen, und Lehr-Knaben eingerissenen Missbräuche“, also der Sozialdisziplinierung dienen sollte. Dieses Gesetz fand Eingang in die auch in der Kurpfalz neu gefassten Zunftordnungen, so z.B. in das ab dem Jahr 1736 verbindlich vorgeschriebene Formular für die jährlich zu erstattenden Zunftrechnungen und in die neue Zunftordnung vom 8. April 1767 für die „Kleine Bauzunft“, womit gleichzeitig deren Trennung vom Oberamt Mosbach genehmigt und festgeschrieben wurde. 

Da zu der „Kleine Bauzunft“ auch das Uhrmacherhandwerk gehörte, war neben anderen Bestimmungen der Artikel 42 über das Meisterstück für Uhrmacher von besonderer Bedeutung: 

 

"Ein Uhrmacher solle zu einem Meisterstück eine Repetir Uhr verfertigen, welche Stund und Viertel andeutet, das Meistergeld belangend, solle es wie bey denen anderen Handwerkern gehalten werden, und keinem seiner Arbeiter, welche diese Kunst (des Uhrmachens) nicht erlernen erlaubt sei, etwas an einer Uhr, oder an einem Gewicht und Läute(-werk) zu verfertigen, bey Straf drey Gulden, folglichen alle Uhrarbeit dem Uhrmacher, was ein Zahn treibt, ausgenommen des Windenmachers Arbeit allein, verbleiben.“ 

 

Holzspielzeug und traditionelle Holzarbeiten aus dem Erzgebirge

Zur Neuarrangierung der Sonderausstellung „Bergmann - Engel – Räuchermännchen“

im Museum der Stadt Eberbach


Die Sonderausstellung im Museum der Stadt Eberbach, die seit dem ersten Adventswochenende 2013 als Weihnachtsausstellung im ehemaligen Ratssaal gezeigt wird und eine deutliche Zunahme der Besucherzahlen über die Weihnachtszeit bewirkt hat, ist inzwischen der Jahreszeit angepasst worden und für den zweiten Teil der Ausstellungszeit bis Ende März mit einem Akzent auf dem Spielzeug neu arrangiert worden. Diesmal geht es verstärkt um das traditionelle Holzspielzeug aus dem Erzgebirge, das dort lange Zeit den eigentlichen Schwerpunkt der Holzkunstproduktion darstellte und bis in die Nachkriegszeit hinein viele Kinderzimmer bestimmt hat. Dagegen haben die typischen Weihnachtspyramiden und Krippen, die Kurrende-Sänger und Engelsscharen etwas das Feld geräumt, sind aber immer noch vertreten. Die Bergmänner, die in einer Vitrinen in zahlreichen festlichen Paraden antreten und die auch auf vielen der beweglichen oder beleuchteten Geräte immer gern vertreten sind, sind natürlich geblieben, ebenso wie die Engel, die seit häufig mit ihnen als Leuchter Paar bilden.

Gezeigt wird in der Sonderausstellung eine repräsentative Sammlung der beliebten Erzgebirgskunst, die viele alte Stücke aus dem 19. Und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts enthält und so einen Eindruck von der Entwicklung dieser Holzkunst im Erzgebirge bietet.

In dieser holzreichen Bergbauregion entwickelte sich angesichts zunehmender Armut seit der Barockzeit die Herstellung von Holzspielzeug in Heimarbeit, das dann auf den Messen in Nürnberg und Leipzig nicht nur für das Weihnachtsgeschäft vertrieben wurden, sondern das ganze Jahr hindurch. In und um Seiffen hat sich dieses von ganzen Familien betriebene Gewerbe weit ausgebreitet. Das Angebot wurde von Großhändlern seit dem frühen 19. Jahrhundert in gedruckten Katalogen mit Kupferstichen, später mit Photos vorgestellt. Auf die zurückbehaltenen Muster einer solchen Firma geht der ausgestellten Sammlung zurück. So können auch historische Musterkartons mit den Proben einfacher und zum Teil auch sehr komplizierter Modelle betrachtet werden. Das Angebot reicht von kleinen Kreiseln und Kegeln über Haus und Hof, sogar mit zeitgemäßem Feuerwehreinsatz, bis zu ganzen Stadtmodellen. Auch die Technik ist vertreten bis zu detaillierten Eisenbahnzügen und dem allerletzten Schrei unter den Automodellen – der Vorkriegszeit. Puppenstuben und Kaufmannsläden, Bauernhöfe und Jagdgesellschaften waren beliebig erweiterbar. Die Beliebtheit von Soldatenfiguren in früheren Zeiten führten zu Räuchermännchen und Nussknackern in bunten Uniformen, bedrohlichen Wachtmeistern und würdigen Königen, aber auch vielen gemütlichen und friedlichen Figurentypen. Attraktiv sind bis heute die Streichholzschachteln mit Miniaturszenen darin.

Es ist auch an Beispielen zu sehen, wie die kleinen Modellfiguren in rationeller Methodik, aber doch sehr vielfältiger Handarbeit Schritt für Schritt hergestellt wurden und werden. In den ersten Jahrzehnten und gerade in der Weimarer Zeit wurden verschiedene Anstrengungen unternommen, um im Werkstoff Holz weitere Spielzeug- und Gerätideen umzusetzen und die Palette der Produkte zu erweitern, von denen einige auch zu sehen sind. Um auch qualitativ und künstlerisch das Holzhandwerk und die Ausbildung der Künstler zu fördern, wurde die schon Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete eine Spielwarenfachschule in Seiffen ausgebaut. Das führte zu einer Reihe neuer Erfindungen und auch zur Schaffung neuer Figurentypen, die heute so bekannt sind, dass man sie längst für sehr traditionell hält, wie z.B. die sog. Dresdner Striezelkinder. Neben den traditionellen Figuren werden heute auch attraktive künstlerische Neuentwürfe angeboten. 


(Herstellung neuer Engel)

(Bergmannsparaden)

(Spielzeugproben)

(Zirkus)

(Kaufmannsladen)





Bergmann – Engel – Räuchermännchen“

Seit dem 1. Advents-Wochenende 2013 zeigt eine neue Sonderausstellung traditionelle Weihnachtsfiguren und altes Holzspielzeug aus dem Erzgebirge

Am Freitag, dem 29. November 2013 wird im Museum der Stadt Eberbach um 
15 Uhr eine neue Sonderausstellung „Bergmann – Engel – Räuchermännchen“ eröffnet, die über die Weihnachtszeit im ehemaligen Ratssaal gezeigt werden soll.

Diesmal geht es um das traditionelle Holzspielzeug und die typischen Weihnachtsfiguren aus dem Erzgebirge. Gezeigt wird eine repräsentative Sammlung solcher Erzgebirgskunst, die bereits in einem Museum in Japan in einer Sonderausstellung zu sehen war. Sie enthält viele alte Stücke aus dem 19. Jh. und bietet einen Eindruck von der Entwicklung dieser Holzkunst, die heute geradezu für das Erzgebirge steht.

 

Im Erzgebirge, gekennzeichnet seit alters von Bergbau und Holzwirtschaft, entwickelte sich angesichts zunehmender Armut seit der Barockzeit die Herstellung von Holzspielzeug in Heimarbeit, das damals auf den Messen in Nürnberg und Leipzig besonders für das Weihnachtsgeschäft vertrieben wurden. In und um Seiffen hat sich dieses von ganzen Familien betriebene Gewerbe im 19. Jahrhundert weit ausgebreitet und bestimmt auch heute noch das Bild des Ortes. Das reichte von Puppen oder Soldaten über Pferd und Wagen und andere Bauernhof-Figuren bis zu Puppenstuben, Kaufläden und Schaukelpferden. Für Weihnachten kamen neben einfachem Kinderspielzeug auch bestimmte Figurentypen wie Engel oder Kurrende-Sänger, aber auch Gestalten aus dem damaligen Leben wie Bergmänner in ihrer Tracht, Nussknacker in bunten Uniformen, Räuchermännchen mit Pfeife und Kiepe. Man kann diese Figuren im Zimmer aufstellen oder ins Fenster stellen. Es gibt solche Figuren als Weihnachtsbaumanhänger, als Leuchter-Figuren, auf Spieluhren und in durch Kerzenwärme angetriebene mehrstöckige Mühlen, sog. Weihnachtspyramiden mit entsprechend gestaffeltem szenischem Programm der Weihnachtsgeschichte.



2012-2013


Weltkulturerbe im Taschenformat

Die neue Sonderausstellung, die am 24.11.2012 eröffnet wurde, wird bis zum Frühjahr im ehemaligen Ratssaal Kartonmodelle bedeutender Baudenkmäler Europas, um Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser aus Modellbaubogen zeigen. 
Früher gehörten Ausschneidebogen von allen möglichen Dingen zum üblichen Kinderspielzeug: Seit dem 19. Jh. waren etwa zweidimensionale Anziehpuppen sehr beliebt oder Schiffe und Gebäude. Etwas Besonderes waren aufstellbare Theaterbühnen oder andere mit den Pop-up-Büchern verwandte Modelle. Papiermodellhäuser und -burgen konnten Eisenbahnanlagen beleben. Heute findet man oft im Angebot von Museumsshops Bögen für historische Bauten in Miniaturformat.

 (Frauenkirche Dresden)


Schon aus Altertum und Mittelalter sind einige kleine Gebäudemodelle erhalten, oft Weihgeschenke. Stifterfiguren werden immer wieder mit Modelle ihrer Bauten in den Händen dargestellt. Bis heute sind Modelle sind noch heute ein wichtiges Hilfsmittel bei der Bauplanung. Aus der frühen Renaissance sind bereits Holzmodelle erhalten, etwa für den Bau des Florentiner Domes und die Bauplanung des Petersdoms in Rom. Im 18. Jh. dienen Korkmodelle der antiken Bauten Roms als Souvenirs reicher Rom-Touristen. In den Museumsausstellungen dienen Modelle häufig zur Veranschaulichung früherer Bauzustände und zerstörter Bauten, allerdings meist nur einmalig. 

     
 (Kölner Dom)

Der Papierdruck machte die Modelle dagegen beliebig reproduzierbar. Aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammen auch bereits die ersten Modelle aus Papier, die zeigen, daß die Methode damals schon bestens bekannt, also noch älter sein muß: ein kleiner Globus von 1507 von Martin Waldseemüller, der bereits Amerika erstmals und falsch nach Amerigo Vespuccci benennt, das Modell einer Sonnenuhr in Kreuzform 1529 vom Nürnberger Feinmechanikers Georg Hartmann, oder 1544 ein Modellbogen des Wetzlarer Malers Hans Döring, mit dem man die Funktionen eines Militärlagers beim Militärunterricht simulieren konnte. 
Aber erst als Spätfolge der Aufklärung kamen Mitte des 19. Jh. zuerst in England, dann in Deutschland und Frankreich serienmäßige gedruckte Modellbaubogen für Kinder zu Spiel- und Lernzwecken auf. Dieses für ein gutes Jahrhundert sehr erfolgreiche Geschäft wurde dann vom Plastikmodellbau an den Rand gedrängt, dessen Anspruch an Arbeitszeit und Können meist geringer war. Größere Anschaulichkeit und Exaktheit haben Architekturmodelle aus Karton in jüngster Zeit wieder beliebter gemacht, da man auch sie mithilfe der Computertechnik schneller, exakter und einfacher entwerfen, verändern und vervielfältigen kann als früher. In jüngster Zeit hat sich gerade in England und Amerika diese spezielle Papierkunst deutlich weiterentwickelt, besonders von technischen Objekten. Inzwischen haben sich aber auch viele Verlage darauf spezialisiert, die alten Vorlagen wieder zu reproduzieren und neue zu entwerfen, auch Modelle von historischen Bauten.

 
(Münster Dom)

In der Eberbacher Ausstellung werden eine große Anzahl von historischen Bauwerken aus Deutschland, Frankreich und Spanien vorgestellt, die in der üblichen Papiertechnik gebaut sind. Es handelt sich um Kirchen und Klöster, Kathedralen und Kapellen, aber auch um Burgen und Schlösser, und schließlich um einige weitere Bauwerke wie Wohnhäuser, Stadttore, und technische Bauten. Viele davon wurden in den letzten Jahren von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Sieht man einmal von wenigen römischen Bauten ab – dann erstreckt sie sich immer noch über mehr als ein Jahrtausend. Modelle, die nebeneinander stehen, sollen möglichst vom Maßstab her zusammenpassen, damit sie für den Betrachter besser vergleichbar sind. Man kann um die Vitrinen herumgehen, um die Bauten von allen Seiten und meist auch von oben gut zu sehen, eine meist immer noch ungewöhnliche Perspektive. Besser als der Betrachter lernt das Gebäude und seine Zusammenhänge aber der kennen, der das Modell zusammenbaut, und bei der Montage der Teile erlebt, wie das Gebäude langsam wächst und fertig wird. Wir sind deshalb dem Sammler besonders dankbar, der uns seine mit Engagement und Präzision erstellte Sammlung anvertraut hat. 

Modellbau-Workshop für Jugendliche

Das Museum der Stadt Eberbach bietet den Modellbau-Workshop für Jugendliche 
in der Ausstellung „Weltkulturerbe im Taschenformat“ an. 

Am Freitagnachmittag, dem 15. Februar, wird ab 15 Uhr in der 
Sonderausstellung von Kartonmodellen bedeutender Baudenkmäler Europas, die 
zur Zeit im Museum der Stadt Eberbach läuft, ein kleiner Workshop zum 
Modellbau angeboten.

Die Modelle von Kirchen und Klöstern, Burgen und Schlössern, aber auch von 
einigen technischen Bauwerken, die in der Ausstellung gezeigt werden, hat 
alle Herr Horst Fallgatter aus Leipzig aus Kartonbogen gebaut. Aber um diese 
Baudenkmäler im Miniaturformat herzustellen, muß man nicht Bauingenieur wie 
Herr Fallgatter sein. Für Kinder und Jugendliche und für alle 
Interessierten, die sich mit der Technik des Karton-Modellbaus vertraut 
machen wollen, damit sie selbst mit dieser Technik ein historisches Bauwerk 
oder auch etwa ein futuristische Fahrzeug wiedergegeben können, bietet Herr 
Fallgatter daher am nächsten Freitagnachmittag einen „Schnellkurs“ an. Dabei 
wird er die wichtigsten Methoden und die hilfreichen Tricks und Kniffe 
vorführen, damit der Modellbaubogen nicht eine windschiefe Hütte oder ein 
zerknülltes Papiergebilde wird, sondern das überzeugende 3D-Modell, das von 
seinem Vorbild einen möglichst exakten Eindruck gibt. 
Wer mitmachen will, erleichtert natürlich die Sache, wenn er seine eigene 
Schere und ein Lineal, eventuell auch ein spitzes Messer zum Anritzen und 
vor allem einen Papierkleber wie z.B. Uhu mitbringen, damit genügend 
Werkzeug vorhanden ist. 

Die Technik des Modellbaus mit Ausschneidebogen, wie sie seit Mitte des 19. 
Jh. für Spiel- und Lernzwecke beliebt waren, sind in jüngster Zeit als 
spezielle paper art besonders in England und Amerika weiterentwickelt 
worden. Inzwischen gibt wieder zahlreiche Angeboten von Kartonbogen für 
Modelle von historischen Bauten und vor allem verschiedensten technischen 
Objekte. Es werden laufend neue Papiermodelle entworfen, es gibt aber auch 
Nachdrucke altbewährter Modellbaubogen.


Die Ausstellung zum „Weltkulturerbe im Taschenformat“ wird auch noch 
das ganze Frühjahr über im ehemaligen Ratssaal am Alten Markt zu sehen sein. 

Kinder bastelten Modelle

Kinder bastelten Modelle in der Ausstellung „Weltkulturerbe im Taschenformat“ 

Eine Gruppe von Kindern und Müttern vom Eberbacher interkulturellen Frauentreff besuchte am Mittwochnachmittag die Ausstellung von Kartonmodellen bedeutender Baudenkmäler im Museum der Stadt Eberbach. Während die Kinder unter Anleitung von Herrn Fallgatter, dem Leihgeber der Ausstellung, sehr engagiert kleine Modelle historischer Bauten bastelten, konnten sich ihre Mütter die Ausstellung ansehen, die noch das ganze Frühjahr über im ehemaligen Ratssaal am Alten Markt zu sehen ist.

Wie schon erwähnt wird Herr Fallgatter am Freitagnachmittag, 15. Februar, nochmals ab 15 Uhr in der Sonderausstellung für alle Interessierten, Kindern oder auch Erwachsenen, die Technik des Kartonmodellbaus vorführen und beim Erstellen von Modellen helfen. Wenn diejenigen, die mitmachen wollen, eine nicht zu große eigene Schere, eventuell auch ein spitzes Messer zum Anritzen, ein kleines Lineal und Papierkleber wie z.B. Uhu mitbringen, ist auf jeden Fall genügend Werkzeug vorhanden. 

2012

 

Gemeinsame Ausstellung in Michaelskirche und im Museum zu Bibelfliesen

Am Samstag, dem 5. Mai 2012, um 11.00 Uhr wurde in der Michaelskirche eine Doppelausstellung zum Thema Bibelfliesen eröffnet:

In der Michaelskirche selbst wird eine Ausstellung zu sehen sein, die seit 2003 von einem ehrenamtlichen Team in der alten ostfriesischen Hafenstadt Norden 2005 beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover gezeigt wurde und seitdem schon an vielen Orten in Deutschland zu sehen war, mehrfach auch im Südwesten. In einer zweiten Ausstellung stellt dazu das Museum der Stadt am Alten Markt mit Fliesen aus Privatbesitz ergänzende Aspekte und weitere Motive zum selben Thema aus. Nach der Begrüßung durch Dekan Ekkehard Leytz und Bürgermeister Bernhard Martin führen Pastor Kurt Perrey vom Norder Bibelfliesenteam und Prof. Reinhard Stupperich vom Museumsverein in die Thematik der Ausstellungen ein. Dabei geht es einerseits um den Bezug der Fliesenbilder auf die Bibel, andererseits um die Herkunft dieser Bilder und ihre Umwandlung durch ihre im Lauf der Zeit sich ändernde Verwendung. Anschließend werden die Besucher zu einem Empfang in der zweiten Ausstellung im Museum am Alten Markt gebeten. Stefanie Bartsch, Barock-Oboe, und Elke Kleinert-Endlich, Blockflöte, ergänzen das Programm akustisch passend mit Musik aus der Zeit, in der die Fliesen entstanden. Die Ausstellung in der Michaelskirche wird bis zum 24. Juni laufen, die im Museum der Stadt Eberbach bis zum 28. Oktober.

In einer Zeit, in der es in normalen Haushalten kaum irgendwelche Bilder gab, mußten selbst vereinfachte einfarbige Bildszenen starken Eindruck auf die Betrachter ausüben. Glasierte Fliesen, die zum Feuer- und Nässeschutz an der Wand angebracht wurden, waren dafür bestens als Bildträger geeignet. In den Niederlanden wurden solche Fliesen seit dem 16. Jh. mit verschiedensten Motiven bemalt; zuerst farbig von eingewanderten italienischen Künstlern, seit dem Beginn des 17. Jh. dann Blau auf Weiß bemalt und weithin im nördlichen Mitteleuropa vertrieben. Es gab auch über mehrere Fliesen gemalte Bilder – je größer die Bilder waren, desto teurer wurden sie auch. Wie auch sonst in der Kunst der Zeit überwiegen biblische Bildthemen alle anderen Themen. Natürlich schmückten sie nicht nur die Feuer- und Küchenstellen in normalen Haushalten, sondern – als Mode mit zum Teil großen Bildern – auch die Küchen reicher Häuser und im 18. Jh. sogar in vielen Schlössern von Süddeutschland – in unserer Region etwa in Schwetzingen und Rastatt – bis weit nach Polen und Rußland. Die private Fliesenwand übernahm im privaten Rahmen also eine ähnliche Funktion wie die ausgemalten Kirchen des späten Mittelalters. So sind die Bibelfliesen Zeugnisse dafür, wie weit in den früheren Jahrhunderten das Interesse an der Bilderwelt der biblischen Geschichten verbreitet und wie sehr sie im Alltag visuell präsent waren. Man kann sich gut vorstellen, daß manche der alten Geschichten erst aufgrund ihrer Bildfassung das Interesse der Betrachter erregten.

Bild 1: Jonas wartet auf Ninives Untergang

Glasurfliesen wurden wie die Fayencen in gleicher Technik zuerst in den südlichen Niederlanden farbig hergestellt, dann unter dem Einfluß von blau-weißem chinesischem Porzellan der späten Ming-Zeit blau oder seltener altrosa (genannt manganfarben), gelegentlich beides kombiniert. Seit dem mittleren 17. Jh. lag der Schwerpunkt der Fliesenherstellung in den protestantischen nördlichen Niederlanden. Wie die meisten figürlich bemalten Fliesen sind auch die Bibelfliesen mit Bildern nach Kupferstichen bemalt – in diesem Fall also Stichen aus illustrierten Bibelausgaben vor allem des 17. Jh., die sich an der Arbeit bekannter Künstler wie Matthäus Merian orientierten. Eine Reihe von Werkstätten in Amsterdam und Rotterdam bot sehr feingemalte und vielgestaltige Szenen, die zum Teil durch Architekturdetails oder Ausblicke in die Landschaft ausgestaltet waren. Gelegentlich, wenn auch selten kommt es sogar vor, daß im Hintergrund eine weitere Szene derselben Geschichte dargestellt wird - ein beliebtes Verfahren bei den als Vorbild dienenden Kupferstichen, wenn zu viele Erzählinformationen in die Illustrationen gesteckt werden sollen. Manche Fliesen werden später allerdings gegenüber den Vorlagen so vereinfacht, daß man die Szenen nur durch Detailvergleich identifizieren kann. Das war bei der steigenden Produktionsmasse besonders in Utrecht und in der Provinz Friesland der Fall, von wo aus Norddeutschland im 18. und 19. Jh. beliefert wurde.

Bild 2: karikaturartige Bibelszenen des späten 17. Jh.

Bild 3: Fliesen zu Heilungsgeschichte

Bild 4: Passionsgeschichte auf Fliesen

Weitere Informationsmöglichkeiten bietet ein Büchertisch in der Michaelskirche. Das Norder Bibelfliesenteam hat nicht nur einen Katalog der ausgestellten Fliesen und Hefte zu verschiedenen Themen auf den Bibelfliesen herausgebracht, sondern sogar eine Fliesenbibel, also eine Bibel, die mit Beispielen von allen auf Fliesen gezeigten Motiven illustriert ist:

www.fliesenbibel.de

2011 - 2012

Teddys, Teddys, Teddys

Nicht etwa der Wolf, dessen letzter hiesiger Vertreter im Museum am Alten Markt zu sehen ist, sondern der Bär ist inzwischen - ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit - "ausgewildert" und im Odenwald wieder heimisch geworden. Sogar ins Eberbacher Museum sind ganze Heerscharen von Bären eingedrungen und halten den Alten Ratssaal besetzt. Zum Glück gehören sie zu der erst seit einem guten Jahrhundert bekannten harmlosen Gattung derjenigen von Plüsch. 

Plüschbären waren früher und sind - trotz Fernseher, Computer und ferngesteuertem und elektronischem Spielzeug - auch noch heute eine der großen Attraktionen im Kinderzimmer. Besonders als Kuscheltier sind sie sehr beliebt.

Am Freitag, 25. November, wird um 15 Uhr die neue Sonderausstellung über Teddybären im Museum der Stadt Eberbach durch Bürgermeister Martin eröffnet. Darin werden zahlreiche Bären aus einer Eberbacher Sammlung gezeigt, die durch einige weitere Teddys aus Eberbacher Privatbesitz ergänzt werden. Sie zeigen das große Spektrum der Bären in Größe, Form und Farbe, in Material und Herstellungstechnik, in Kontext, Zweck und Verwendung, und diese Unterschiede sollen auch in den verschiedenen Gruppen, die in den Vitrinen zu sehen sind, vorgestellt werden. Es gibt Markenbären und solche aus Fernost, alte und neue Teddys, es gibt Eisbären und Koalabären, Gummibärchen und Schokoladenbären, die am Weihnachtsbaum hängen, es gibt Schmusebären, die im Arm der Kinder schlafen, und Reklamebären, die für Produkte, Firmen oder Städte werben, große Bären für Schießbuden als Superpreise. Und es sind verschiedene Szenen zusammengestellt. 

Daneben gibt es aber eine ganz besondere Attraktion zu sehen: Peter Clemens, der frühere Chef der Firma Clemens Spieltiere in Kirchardt bei Sinsheim, einem der wenigen deutschen Markenbärenhersteller neben Steiff und Hermann, stellt anhand einer Reihe von originalen Werkstücken die Herstellung eines Teddybären vor. 

Für diejenigen, die mit Teddys spielten, waren auch Bärengeschichten immer interessant. Daher sind zu den Bären auch schnell einige Bärenbücher gekommen, vor allem aus England. "Pu der Bär" oder der "Paddington Bär" sind für die meisten Erwachsenen heute noch gute alte Bekannte, die seit Jahrzehnten in großer Zahl die Kinderzimmer bevölkert haben und immer noch beliebt sind. Aber es gibt eine erheblich größere Zahl von weiteren - alten und neuen - beliebten Bärengeschichten. Geplant ist übrigens auch, dass an mehreren Samstagen aus diesen Bärengeschichten vorgelesen wird, und dass Peter Clemens an einem Nachmittag die Bärenherstellung und die Reparatur von einzelnen Bären vorführt. 

Die Entwicklung des Teddybären war eine hundertjährige Erfolgsgeschichte. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erfanden Margarethe und Richard Steiff den Plüschbären mit beweglichen Armen. Die neue Idee schlug auf dem Spielzeugmarkt offensichtlich mit großem Erfolg ein. Dem amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt, der gerade auf einer Jagd das Leben eines Braunbären verschont hatte, schickten sie Beispiele der neuen Bären, die ihm zu Ehren seinen Namen Teddy bekamen. 

Wer noch Bilder von sich selbst als Kind mit Bären hat (oder andere Kinder mit Bären), kann sie mitbringen. In der Ausstellung ist eine Stellwand für solche Bilder freigehalten, sodass sie (oder eine Kopie des Bildes) dort angebracht werden können.

 

*2011

 “Licht!”

die neue Sonderausstellung über Lampen und künstliche Beleuchtung im Lauf der Geschichte.

Dr. Andreas Hensen aus Heidelberg, der durch seine Forschungen zum römischen Gräberfeld in Heidelberg und zum römischen Mithraskult in unserer Region bekannt geworden ist, wird in einem einführenden kurzen Vortrag zur Eröffnung der Eberbacher Ausstellung - ausgehend von den Heidelberger Lampenfunden - über eine antike Ölkrise im Römischen Reich sprechen.

Bei dieser kleinen Ausstellung geht es aber nicht allein um römische Lampen. Vielmehr wird in einer exemplarischen Auswahl das weite Spektrum der Beleuchtungsgerätschaften und Lichterzeugungstechnik von der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein dargestellt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als mit Mineralöl und dann Strom, ganz neue effiziente Energiequellen erschlossen wurden, endet die Übersicht. Dabei wurde nach lokaltypischen Ausstellungsobjekten gesucht, nicht nur aus der Kurpfalz, aber möglichst aus dem deutschen Südwesten. Manchmal ist aber selbst bei alten Museumsbeständen - wie denen aus den kurfürstlichen Sammlungen im Mannheimer Schloß - Herkunft oder Fundort einfach nicht mehr sicher festzustellen.

In der Kurpfälzer Residenzstadt hatte man damals, zur Zeit des Kurfürsten Carl Theodor, nicht nur Spaß an der Erforschung der Ursprünge technischer Erfindungen, zu denen auch frühe Fundstücke von Lampen und Leuchtern gehörten. Zur Förderung von Handel und Industrie ließ der Kurfürst hier, im Zeitalter der Aufklärung, auch gezielt wissenschaftliche und technische Experimente, etwa zur Energieeinsparung, anstellen. So gab es hier bedeutende Beiträge zur der künstlichen Beleuchtung. Der  amerikanischen Armeereformer des Kurfürsten Carl Theodor Benjamin Thompson, besser bekannt als Graf Rumford, führte in Mannheim bahnbrechende physikalischen
Experimente durch. Er etablierte ein erstes Meßverfahren für Lichtstärken. Eine seiner Erfindungen steigerte die Strahlkraft der modernen Argand-Öllampe um ein Vielfaches.

Die Eberbacher Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern betrachtet das Phänomen “künstliches Licht” unter thematischen Aspekten. Es geht um die verschiedenen im Laufe der Zeit nebeneinander und im Wechsel verwendeten Brennstoffe und Zündungsmethoden. Ein einfaches Herstellungsverfahren wird am Beispiel römischer Tonlampen vor Augen geführt und dabei gezeigt, daß viele Detailfragen auch bei diesem an sich doch vielfältig und gut bekannten Forschungsobjekt in Wirklichkeit noch gar nicht geklärt sind.


Auch das weite soziale Spektrum der Lampennutzer soll angedeutet werden, der Gegensatz zwischen den einfachen Lampen der relativ armen Mehrheit der Bevölkerung, den prächtigeren der Reichen und prunkvollen Leuchtern der Mächtigen. Gerade die Burgen als lokale Machtzentren waren auch mit Leuchtern ausgestattet, wie sich in Eberbach selbst und in Hirschhorn belegen läßt. Dabei sind  unterschiedliche Funktionen zu erkennen, die Beleuchtung haben konnte - in den Ritualen des Kultes, in der politischen Repräsentation, in der  Vermittlung von Luxus und Bedeutung. Zur Rolle der Lichter im Kult läßt sich besonders viel sagen. Die Lampen, die hier eingesetzt wurden, gehören oft zu den prachtvollsten Exemplaren. Zwar haben sich nur wenige der Prunklampen erhalten, aber sie sind des öfteren in
Bildern dokumentiert; alte Dichtungen und literarische Werke führen die 
Verwendungsweise der Lampen vor Augen. 

Die Rückbesinnung auf die technischen Erfindungen der Antike regte seit der Renaissance Ingenieuere, angefangen von Leonardo da Vinci, zum Nachbau von Vorrichtungen an, die man in der antiken Literatur beschrieben fand, darunter solchen, die den Betrieb der Öllampen erheblich erleichterten. Durch das Experimentieren mit den technischen Möglichkeiten kam man dann bald auf weitere nützliche Erfindungen, die im Lauf der Zeit immer weiteren Kreisen die Nutzung des künstlichen Lichts ermöglichten.  Schließlich gab Mitte des 19. Jh. die Erschließung der neuen Energiequellen Mineralöl und vor allem Elektrizität der Beleuchtung eine ganz neue
Dimension.

Für die Ausstellung haben Leihgeber aus Museen der Umgebung ebenso wie einige Sammler, Lampen ausgeliehen, mehrere Heidelberger und Speyerer Museen, das Langbein-Museum in Hirschhorn, das Lobdengaumuseum in Ladenburg und die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. In ganz besonderer Weise wurde die Präsentation durch das einzige Spezialmuseum im Umfeld, das Lichtermuseum in Walldürn-Wettersdorf, dessen Ausstellung die Spannweite vom Altertum bis ins 20. Jahrhundert abdeckt, mit Leihgaben aus seinem reichen und informativen Fundus bereichert.


Die Präsentation hat im letzten Jahr eine Gruppe von Studenten an der Universität Heidelberg in interdisziplinärer Zusammenarbeit von klassischer, provinzialrömischer und mittelalterlicher Archäologie unter Leitung von Matthias Untermann, Reinhard Stupperich und Andreas Hensen erarbeitet. Das Ergebnis wurde dann bei einem Internationalen Kongreß von Lampenforschern von der International Lychnological Association (kurz ILA),
an der Universität Heidelberg präsentiert. Hintergrund war die riesige Zahl römischer Lampen, die bei Notgrabungen auf dem Gelände des Heidelberger Uni-Campus im Neuenheimer Feld im Verlauf des letzten halben Jahrhunderts zutage getreten sind und die Dr. Hensen gerade publiziert hat. Bereits im 18. Jahrhundert waren Lampen aus diesem Gräberfeld in das kurfürstliche Antiquarium im Mannheimer Residenzschloß gelangt. Übringens ist, wie Andreas Hensen festgestellt hat, sogar die Bezeichnung “Lychnologie” für die Lampenforschung, in Heidelberg vor zwei Jahrhunderten vom ersten Heidelberger Archäologen, Professor Friedrich Creuzer, geprägt worden.



* 2010

Bilderbücher von Struwwelpeter bis Asterix

Am Mittwoch, den 25.November 2009 um 17.00 Uhr, eröffneten wir im Beisein von Bürgermeister Bernhard Martin die 2. Sonderausstellung dieses Jahres im Museum der Stadt Eberbach    
Im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsfest, bei dem es ja auch heute noch, trotz all der neuen Medien, eine große Rolle spielt, steht das Bilderbuch im Mittelpunkt unseres Interesses. 

Unter dem Thema: „Bilderbücher von Struwwelpeter bis Asterix“ hat der Arbeitskreis des Museumsvereins Bilderbücher aus Privatbesitz zusammengetragen und zu einer Ausstellung zusammengefügt. Dabei erheben wir natürlich keinen Anspruch auf eine erschöpfende Darstellung dieses Themas.

Das Bild als Vermittler von Inhalten hat eine lange Tradition in der Menschheitsgeschichte. In unserer Ausstellung beschränken wir uns allerdings auf Bilderbücher der letzten beiden Jahrhunderte und der Gegenwart.

Auch die Originalillustrationen eines zeitgenössischen Bilderbuches wurden vom Autor für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

  Besonderheiten dieser Ausstellung:

  • In einer speziellen Leseecke können Bilderbücher von Kindern und natürlich auch von interessierten Erwachsenen betrachtet werden.
  • Besondere Vorlesetage für Kinder werden im Rahmen dieser Ausstellung im Museum stattfinden.
  • Kinder dürfen sich bei jedem Besuch vom Weihnachtsbaum Süßigkeiten mit der Museumsschere abschneiden.

Wir hoffen mit dieser Ausstellung vielen Familien mit ihren Kindern eine Freude in der Winterzeit zu machen.

Folgende Vorlesetermine zu dieser Ausstellung gab es 2010 im Museum:

Januar 2010:

09.01.2010, 16.01.2010, 23.01.2010, 30.01.2010

Februar 2010:

06.02.2010, 13.02.2010, 20.02.2010, 27.02.2010

Diese Ausstellung wurde bis Oktober 2010 aufgrund der großen Besuchernachfrage verlängert.


* 2009

Ausstellung "Hospizarbeit allgemein und in Eberbach" (bis September 2009)

Im Mittelalter waren Hospize (von lat. "hospitium" Gastfreundschaft; Herberge) Herbergen für Pilger, Wanderer, Kranke, Waisen, Gebärende und Bedürftige. Sie wurden meist von Ordensgemeinschaften geführt. Leben  und  Sterben gehörten selbstverständlich zusammen.  In der Folgezeit entwickelten sich Hospize und Krankenhäuser auseinander. Hospize blieben  Unterbringungs- und  Verpflegungsstätten für Pilger und andere  Reisende.

Die Entwicklung der Hospizbewegung im 20. Jahrhundert kann als Reaktion auf den Umgang mit Sterbenden und dem Tod in der modernen Gesellschaft verstanden werden. Sie ist untrennbar mit dem Namen der englischen Krankenschwester und Ärztin Cicely Sounders (I9I8-2005) verbunden und dem von ihr 1967 in London gegründeten St.Christoplter's Hospice.

Ein Hospiz sollte ein Zufluchtsort für Sterbende sein, eine Raststätte, in der sie in Frieden und Würde sterben könnten. Saunders gilt weltweit als Begründerin der Hospiz- und  Palliativbewegung.

In Deutschland begann die Hospiz – Bewegung in den 80 er Jahren. 1986 wurde das erste deutsche Hospiz in Aachen gegründet. In den 90er Jahrewuchs die Akzeptanz und Etablierungdes Hospizgedankens. Es entstanden immer mehr ambulante Hospizdienste, stationäre Hospizeinrichtungen und Palliativstationen. Die Anzahl der ambulanten undstationären Hospizdienste nimmt stetig zu. AmbulanteHospiz- und Palliativdienste (einschl.der spezialisierten Dienste für Kinder):

1996:451;

2001: 927;

2007:1450!

Der ökumenische ambulante Hospizdienst Eberbach-Schönbrunn wurde 1997 gegründet. Die gut ausgebildeten Hospizbegleiterlnnen arbeiten ehrenamtlich und kostenlos.Ihr Dienst steht jedem Menschen und seinen Angehörigen in schwerer Krankheit, im Sterben bis zum Tod und auch in der Zeit der Trauer unabhängig von seiner Herkunft, Religion und Alter zur Verfügung.

Er ist eine Ergänzung zur Pflege von schwerkranken und sterbenden Menschen. Ziel des Hospizdienstes ist es, ihnen möglichst lange ein Verbleiben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen. Ein enges Zusammenwirken mit Pflegediensten, Krankenhaus, Altenheimen und Ärzten ist dabei wichtig. Die menschliche Würde und ihre Unantastbarkeit wird respektiert; körperliche und seelische Erfordernisse, Wünsche und Bedürfnisse werden berücksichtigt. So wird ein menschenwürdiges Leben bis zum Schluss ermöglicht.

Am 26.01.2006 wurde der Hospizverein Eberbach- Schönbrunn gegründet. Er hat z. Zt. 83 Mitglieder.

Der Verein orientiert sich an den Ideen der in England entstandenen Hospizbewegung. Er fördert Vorträge zum Thema Sterben und Tod, die Aus- u. Weiterbildung von Hospizmitarbeiterinnen und –mitarbeitern und die Verbreitung der Hospizidee.

Der Verein möchte eine umfassende ambulante und stationäre Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden erreichen unter Berücksichtigung ihrer körperlichen, geistigen, seelischen, spirituellen und sozialen Bedürfnisse.

Ziel ist deshalb die Errichtung eines stationären Hospizes in Eberbach!

Der Verein tritt ein für die Achtung der Würde des Betroffenen und sein Recht auf Selbstbestimmung  und er betont die Wichtigkeit der Betreuung der Angehörigen auch in der Trauerzeit.

Als erster Schritt hin zu einem stationären Hospiz ist die Einrichtung eines Wohnhospizes geplant. Die Betreuung in einer Hospizwohnung ist ähnlich konzipiert wie die Betreuung zuhause. Jedoch wird eine Betreuung „Rund um die Uhr“ gewährleistet. Die Pflege findet durch einen frei gewählten Pflegedienst oder durch die qualitativ hochwertige Pflege von einem Kooperationspflegedienst (z.T. mit Palliative Care Ausbildung) statt. Die Tagesbetreuung wird durch ehrenamtliche, für diese Aufgabe zusätzlich ausgebildete Hospizmitarbeitende gewährleistet In der Nacht ist eine examinierte Pflegekraft präsent. Kosten entstehen für die Unterkunft und die Verpflegung.

Falls Sie uns unterstützen oder bei uns mitarbeiten möchten, wenden Sie sich an

Past.Ref. Andreas Bohnert Tel.: 06271 – 71738

oder

Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal Tel.: 06271 – 2360

Nähere Auskünfte bezüglich des Hospizvereins erhalten Sie von der ersten Vorsitzenden Susanne Weber Tel.: 06271 – 3221 (Hirsch-Apotheke)

* 2008

Ausstellung "Blau-Weiß" Fliesen, Fayencen und Porzellan
(bis Mai 2009)

Im Museum am Alten Markt war eine Ausstellung zu sehen, die die Eberbacher Stadtfarben einmal anders variiert und unter dem Thema "Blau-Weiß" Fliesen, Fayencen und Porzellan aus Eberbacher Privatbesitz zeigt.

Im 16. Jahrhundert war mit farbigen Bildern bemalte Keramik im ganzen Mittelmeergebiet allgemein beliebt, Höhepunkte dabei waren die Fayence-Gefäße aus Norditalien oder die bunten Wandfliesen auf der iberischen Halbinsel. Unerreichte Vorbilder waren damals islamische Keramik und Fliesen oder gar chinesisches Porzellan. Gegen Ende des Jahrhunderts hatten Keramikspezialisten aus dem Süden sich auch in den enorm prosperierenden Niederlanden mit dem Wirtschaftzentrum Antwerpen niedergelassen. Wer sich dort dem spanischen König aus Glaubensgründen widersetzte, wanderte in den Norden der Niederlande ab. So breitete sich diese Kunst schnell nach Holland und Friesland aus.

Mit der Gründung der Ostindischen Compagnie 1602 begannen dann die Holländer, auf ihren Schiffen große Mengen chinesischer Blau-Weiß-Porzellane der Wan-Li-Periode nach Europa zu importieren. Die große Faszination, die das chinesische Porzellan auf die Europäer der Neuzeit bis heute ausübte, spiegelt sich wider in dem Versuch, vom extrem teuren Import des "weißen Goldes" aus China unabhängig zu werden und selbst Porzellan herzustellen. An fast allen europäischen Höfen wurden Alchimisten finanziert mit dem Ziel, Porzellan zu produzieren und hinter das in Asien bestgehütete Geheimnis der Porzellanherstellung zu kommen. Den echten Porzellanscherben kann man zwar noch nicht herstellen aber mit der Glasur ließ sich chinesisches Porzellan meisterhaft in der Fayence - Technik imitieren. So schlägt zunächst in Europa die große Zeit der Fayence im 16. bis 18. Jahrhundert.

Zurückgreifen konnte man dabei auf das schon im frühen Mittelalter von den Muslimen in Spanien übernommene Herstellungsverfahren des Fayencescherbens. Schon früh hatten die spanischen Werkstätten damit begonnen ihre Ware zu exportieren. Für den Export nach Italien diente die Insel Mallorca als Stapelplatz. So nannten die Italiener die spanische Fayence "Majolika". Auch in Italien entstanden an vielen Orten Fayence-Werkstätten. Unter ihnen war Faenza ein Zentrum der Herstellung und des europäischen Exports. Vom Namen der Stadt leitete sich auch der Begriff "Fayence" ab. Fayence und Majolika sind nur verschiedene Namen für die gleiche Keramik. Sehr bald verstanden es die holländischen Töpfer, das blau-weiße chinesische Porzellan in der Technik der Fayence zu kopieren und ihrerseits als "Holländisches Porzellan" zu exportieren.

1661 nehmen in den Religionskämpfen zwischen Katholiken und Calvinisten ausgewanderte holländische Fayence-Meister die Arbeit in der ältesten deutschen Fayence-Werkstatt in Hanau auf und einige Jahre später in Frankfurt am Main. Es gelingen wunderschöne Einzelstücke in besonders qualitätvoller Blaumalerei, teils in chinesischem, teils in europäischem Dekor, die sich äußerlich kaum vom begehrten weißen Gold aus China unterschieden, wie man sich in der Ausstellung überzeugen kann. Die Fliesen, Vasen, die großen Teller, Buckel- und Fächerschüsseln und Enghalskrüge, um nur einiges aus der Produktionspalette zu nennen, finden bis heute wegen ihrer Schönheit und künstlerischen Ausstrahlung ihre Bewunderer. Erst lange nachdem es in Dresden gelungen ist, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu lüften und zuerst in Meißen, später auch anderorts, u.a. in Frankenthal, die Produktion der oft noch chinesisch dekorierten Porzellanmanufakturen aufgenommen wird, kommt es schließlich auch in der Pfalz zur Gründung einer Fayencemanufaktur in Mosbach, die u.a. ebenfalls die typische blaue Strohblumenbemalung aufnimmt.

Dies ist auch die große Blütezeit der Wandfliesen, deren Schönheit und Vielfalt ebenfalls in dieser Ausstellung bewundert werden kann. Die Fliesen sind nicht nur als Brandschutz hinter den Feuerstellen der Bauernhäuser Norddeutschlands typisch, sondern genauso in Bürgerhäusern rings um die Nordsee von Dänemark bis England. Darüber hinaus wurde diese Sitte aber von den mit den Niederlanden verbundenen Fürstenhäusern weitergetragen. In der Nähe Eberbachs ist die Ausstattung von Schloss Favorite bei Rastatt mit Fliesen der Fayencemanufaktur Bayreuth zu nennen.